Die Samba-Botschafter von Berlin

 

Die Bateria Brincadeira bei der Bundesbegegnung „Schulen musizieren“

Getreu des Begegnungscharakters der Veranstaltung, geht es bei dieser alle zwei Jahre stattfindenden Konzertreihe aber nicht um Wettbewerb und die Prämierung des „besten Bundeslands“, sondern um den musikalischen Austausch und die Präsentation kultureller Vielfalt. Zwischen den Chören und Orchestern, Flötenklasse und Rockband tauchten wir wohl als Exoten auf, konnten aber gleich beim Begrüßungskonzert überzeugen.

Doch wer sind wir eigentlich, die Bateria Brincadeira? Wir sind eine Trommel-AG am bilingualen Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium in Berlin-Lichtenberg, die sich ganz dem brasilianischen Samba verschrieben hat. Dabei widmen wir uns aber nicht nur den verschiedenen Karnevalsrhythmen des Landes, sondern spielen auch eigene Songs, die von Rock, HipHop und Swing beeinflusst sind. Unter der Leitung von Paul Galonska arbeiten hier Schüler und Ehemalige zusammen an neuen Stücken, entwerfen Choreografien und experimentieren mit immer neuen Arrangements und Klangmöglichkeiten. Mit einer bunten Trommelshow bespielen wir regelmäßig Sport- und Festveranstaltungen Berlins, darunter u.a. auch den Deutschen Bundesrat und die Berliner Philharmonie. Unterstützt wurden wir bei der Finanzierung der Reise von der Bundestagsfraktion DIE LINKE, der BVV Lichtenberg und mit einigen Instrumenten von der Landesmusikakademie Berlin, denen wir freundlichst danken.

Zu gast in Lüneburg beteiligten wir uns neben den großen Begegnungskonzerten der Bundesländer an zahlreichen kleineren Individualkonzerten. Besonders spannend war dabei das Konzert in unserer Partnerschule „Am Wasserturm“. Zunächst irritiert von den unbekannten Trommelklängen in ihrer historischen Aula, waren Schüler und sogar Lehrer (!) dann aber schnell fasziniert und mitgerissen von dem lebendigen Groove, jubelten und klatschen ausgelassen mit. Sichtlich begeistert folgten uns einige Schülerinnen noch zu weiteren Auftritten in der Stadt, wo wir auf immer andere Ensembles trafen. Darüber hinaus konnten wir in verschiedenen Musikworkshops zusammen mit den anderen Teilnehmern neue Arten der Musik ausprobieren. Von Mittelaltergesängen und Tanzkursen bis zu Rockbandarbeit und Experimenteller Musik gab gab es zahlreiche Möglichkeiten, Neues zu entdecken. Außerdem boten die Begegnungskonzerte Raum, den eigenen Erfahrungshorizont zu erweitern und mit Hingabe musizierende Schüler in verschiedensten Formationen und Stilrichtungen zu erleben. So trafen Pop- auf Kammerchor und Bigbands auf Sinfonieorchester, eine bayerische Lederhosenrockband auf einen Blindenchor. Groovende Förderschulprojekte zeigten ihre Vielseitigkeit und lieferten neue Inspirationen.

Eine besondere Überraschung hielt zum Abschied noch die Lüneburger Tageszeitung für uns bereit, die unserer Band ein Portrait inklusive Interview in der Berichterstattung über die Bundesbegegnung widmete. Insgesamt legten wir an den 4 Tagen etwa 35 Kilometer zu Fuß zurück, traten bei 6 Konzerten auf und besuchten viele weitere. Dabei war der Zeitplan mitunter straff und anstrengend, standen wir aber erst mal auf der Bühne, war aller Stress vergessen. Dann spielten wir (in insgesamt 4 Stunden) für das jubelnde, uns stets wohlgesonnene Publikum und unterhielten es mit lebendigem Trommelspaß und ganz viel Wumms.

Paul Galonska

Paul Galonska studiert an der Universität Potsdam im 1. Mastersemester Musik und Geschichte auf Gymnasiallehramt. Zur Vertiefung seines Schwerpunkts in Chor- und Ensembleleitung besucht er zahlreiche Fortbildungen der Landesmusikakademie und dem Chorleiterseminar. Das Sambaensemble „Bateria Brincadeira“ leitet er seit 10 Jahren, daneben gründete er mehrere Einsteigergruppen für brasilianische Musik, wirkt als Assistent für Sambadozenten und leitet mehrere Chorprojekte.